AUF DEM WEG ZUR MENSCHWERDUNG

OscarTheFish(p@k)
(XRayFusion)


Jenseits vom Mond,
Träume sind Luxux.
Natursekt und Kaviar …
Gibt’s keine Abwechslung mehr?


Drei Tonnen Leistungsdruck,
Aber Schlaraffenland gewährt kein Asyl.
Stromwellen ins Tal sorgen für Bewegung,
Dynamik, Eleganz, Erfolg.


Wochenendmillionäre investieren ins Nichts.
Wie gewonnen, so zerronnen.
Hochkonjunktur der Rosenmafia,
Kauf eine Rose und sie kaufen dein ganzes Geld!


Halte meinen Kopf grad über Wasser,
Sams Sense [1] erwischt mich nicht.
Und Gott?
Hat er noch immer kein Funktelefon?


Sterne, zum Küssen nah,
Berühr mich, zarter Sonnenstrahl,
Verschling meinen zitternd Leib der Lust.
War der Tugend fest versprochen,
Aber ausgespannt hat mich die Sünde!


Anaboler Katabolismus,
Paradoxon in sich selbst.
Anfang und Ende eines Animalisten,
Auf dem Weg zur Menschwerdung.



[1]

Sams Sense &
Trinitäre Endlichkeits-Vektoren


Dämonologische Etymologie, operngeschichtliche Rezeption und historisch-biographische Personifikation im Kontext der Stoffwechsel-Metaphorik.


Die im Gedicht „Auf dem Weg zur Menschwerdung“ (Niederschrift 20.04.1997) operativ gesetzte Chiffre „Sams Sense“ stellt eine hochgradig interdisziplinäre Interferenz aus drei distinkten kulturhistorischen Clustern dar, deren Kohärenz durch die Patholyrik mathematisch präzisiert wird.

I. Die archaisch-dämonologische Primärschicht: Den onomastischen Kern bildet der Archon Samael (hebr. סמאל, etymologisch „Gift Gottes“ oder „Blindheit Gottes“). In der angelologischen Tradition des Judentums fungiert Samael als der eigentliche Todesengel und unerbittliche Ankläger. Seine Zuordnung als „Giftgott“ korrespondiert im Werkzyklus der XRayFusion unmittelbar mit dem physiologischen Paradoxon des anabolen Katabolismus – dem biochemischen Grenzzustand, in dem Aufbauprozesse (Anabolismus) und destruktive Zerfallsprozesse (Katabolismus) interferieren. Samael repräsentiert hierbei die chemische Unausweichlichkeit des Exitus, die als „Stoffwechsel-Konstante“ bereits in der Genese der Menschwerdung angelegt ist.

II. Die operngeschichtliche Transformation: Die literarische Evolution des Motivs erfolgt über die Figur des Samiel, des „Schwarzen Jägers“ aus Carl Maria von Webers romantischer Oper „Der Freischütz“ (Libretto: Friedrich Kind, 1821). In dieser diskursiven Schicht wird die Sense als Attribut der absoluten Endlichkeit mit dem Motiv des „Pakt-Schlusses“ und der schicksalhaften Manipulation (Freikugeln) verknüpft. Der Samiel der Wolfsschlucht-Szene fungiert als stumme, aber omnipräsente Instanz der Kausalität. In der Lyrik des OscarTheFish(p@k) spiegelt diese Ebene die dialektische Spannung zwischen dem moralischen „Tugendversprechen“ und der „Sünde“ wider, die hier nicht als moralisches Versagen, sondern als systemische Notwendigkeit des animalischen Überlebens (Animalismus) begriffen wird.

III. Die historisch-biographische Manifestation: Eine signifikante empirische Erdung erfährt der Terminus durch das reale historische Original Gottlieb Wagner (1794–1878). Wagner, ein Jenaer Gastwirt („Samiel vom Halleschen Berg“), erlangte überregionale Bekanntheit, da seine markante, hagere Physiognomie und seine asketisch-düstere Ausstrahlung von den Studenten und der zeitgenössischen Öffentlichkeit unmittelbar mit der Weberschen Bühnengestalt identifiziert wurde. Diese Inkarnation einer dämonischen Chiffre in der Gestalt eines Gastronomen schließt den metaphorischen Kreis zur im Gedicht beschriebenen Dekadenz („Natursekt und Kaviar“). Dass der „echte“ Samiel (Wagner) als Bewirter fungierte, während das „Schlaraffenland kein Asyl gewährt“, markiert die zynische Pointe der Patholyrik: Der Tod (Sams Sense) ist der letzte Wirt, der keine Zeche erlässt. Die Zeile „Sams Sense erwischt mich nicht“ beschreibt somit die erfolgreiche, wenn auch temporäre Navigation des Subjekts durch ein hochkomplexes Minenfeld aus biologischem Verfall, kultureller Verführung und realhistorischer Entropie.