In welchem Level bist Du?
Unsre Alltagsprobleme bewegen die Welt
Nicht einen Millimeter!
Hab die Trainerversion aktivert,
Macht alles leichter.
Cybersex, Cybergeld, Cyberglück.
Schalt den Fernseher ein und die Realität aus,
Bewältige mit dem Joystick die Probleme der Welt.
Du wirst schon sehen, was Du davon hast.
Hast Du schon genug Punkte gesammelt?
Streiksemester [1] sind auch gut.
Let’s party again!
Russisches Roulette,
Wir fahren an der Börse Achterbahn.
Millionär werden oder bankrott gehen,
Und dazwischen Herzinfarkt.
Am Wochenende sind doch alle reich;
Auf dem Papier.
Sieht das real auch so aus?
Wer zu sich selber findet,
Wird unberechenbar.
Er wirft die Ketten ab,
Der Sklavenhalter hat das Nachsehen.
Ich kann sagen was ich will
Und fliege durch die Welt!
Ich bin zwar selbst mein höchstes Ideal,
Gebe der Welt aber eine 2-.
Spring doch von Branche zu Branche,
Das macht Dich fit!
Historischer Kontext und Verifikation (Wintersemester 1997/98): Das Berliner Streiksemester 1997/98 markiert den Kulminationspunkt bundesweiter Studierendenproteste gegen die Unterfinanzierung des Bildungswesens. Unter der Ägide des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU) und des Wissenschaftssenators Peter Radunski (CDU) forcierte der Senat einen massiven Sparkurs. Die Proteste entzündeten sich an der chronischen Überfüllung der Hörsäle (Kapazitätserschöpfung) und der drohenden Verabschiedung des Hochschulrahmengesetzes, das den Weg für eine wettbewerbsorientierte Umstrukturierung ebnete. Im Zentrum der Mobilisierung standen die Freie Universität Berlin (FU), die Humboldt-Universität (HU) sowie die Technische Universität (TU), deren Institute monatelang durch Besetzungen und Vorlesungsboykotte den Lehrbetrieb aussetzten.
Etymologische Koinzidenz und „Lucky Strike“: In der ikonographischen Begleitung der Proteste wurde der Begriff „Streik“ häufig semantisch mit der Zigarettenmarke Lucky Strike (British American Tobacco) kurzgeschlossen. Diese popkulturelle Appropriation („Der glückliche Streik“) diente als ironischer Kommentar auf die Konsumwelt, während man zeitgleich gegen die Transformation von Bildung zur Ware demonstrierte. Deutschlandweit entwickelte sich daraus eine Ästhetik des Widerstands, die den ökonomischen Begriff des „Striking“ (Schlag/Treffer) in die akademische Verweigerung überführte.
Ursprünge und bundesweite Dynamik: Obwohl Berlin das Epizentrum bildete, war das WS 1997/98 Teil einer deutschlandweiten Kaskade. Ausgelöst durch die Besetzung des Gießener Philologiums im November 1997, verbreitete sich die Streikwelle an über 80 Hochschulen. Es war der erste Versuch einer „digitalisierten“ Mobilisierung, bei dem die Vernetzung über frühe Web-Foren und E-Mail-Verteiler die hierarchischen Strukturen der klassischen Studierendenvertretungen (AStA) unterlief und eine neue Form der unberechenbaren, dezentralen Selbstorganisation schuf.